Einschüchterung Simbabwes Bevölkerung nimmt wieder zu

Seit die Aufständischen von Libyen und Tunesien ihre Regime das Fürchten lehren, tauchen sie wieder in den Städten und Dörfern von Simbabwe auf: die Soldaten der 5. Brigade. In den 80er-Jahren hatte Staatspräsident Robert Mugabe diese in Nordkorea ausgebildete Eliteeinheit mit den roten Kappen auf seine Gegner gehetzt. Schätzungsweise 20 000 Menschen fielen den Säuberungsaktionen zum Opfer. Nun sind die Täter zurück und mit ihnen die Angst… 

… Chimurenga ist der, der Widerstand leistet. Es ist ein Wort aus der Sprache der simbabwischen Mashona. Chimurenga waren die Aufstände gegen die Weißen Ende des 19. Jahrhunderts und im Jahr 1966, als Mugabe und seine Mitstreiter gegen die weiße Minderheitsregierung kämpften. Seither hat sich Mugabe vom Freiheitskämpfer zum Tyrannen, vom vermeintlichen Paulus zum mörderischen Saulus gewandelt. Das Schicksal seines politischen Freundes Muammar al-Gaddafi lässt ihn zu Recht einen dritten Chimurenga fürchten – diesmal gegen sein Regime gerichtet. Das Militär ist in Bereitschaft, und die reguläre Polizei patrouilliert mit Gummiknüppeln.Denn nichts in Simbabwe ist so, wie es die offizielle Propaganda darstellt. Im vergangenen Jahr meldete das UN-Welternährungsprogramm, die Anzahl der Menschen, die in Afrikas einstiger Kornkammer von Lebensmittelverteilungen abhängig seien, habe sich seit 2006 verdoppelt. Die Hyperinflation, die beim Zusammenbruch des Simbabwischen Dollars bei 231 Milliarden Prozent lag, wurde zwar durch die Einführung des US-Dollars und des südafrikanischen Rands gestoppt, aber nicht rückgängig gemacht. 2006 wurden alle weißen Farmer entschädigungslos enteignet, das Land ging zum großen Teil an Mugabe-Anhänger.

Die Bevölkerung hat von der Landreform nicht profitiert. Jedem Farmarbeiter wurden einige Hektar gegeben, doch der Boden wirft nicht genügend ab, um satt zu machen. Das fünfte Jahr in Folge sind die Ernten in Simbabwe schlecht, und wo man hinkommt im Distrikt Gowke – Simbabwes mittlerer Landesteil und traditionelles Anbaugebiet für Mais und Baumwolle -, stehen die Pflanzen mickrig auf den Feldern. Die Regierung propagiert Monokultur und künstliche Düngung, doch die Preise für Saatgut und Dünger steigen und steigen.

Die Armut erschöpft die Menschen, die mittlere Generation stirbt an Aids, und für die vielen Tausend Waisenkinder sorgt keine staatliche Behörde, sondern nur die von Mugabe so verpönten Hilfsorganisationen. Die Bevölkerung glaubt nicht mehr an Mugabes Beteuerungen, alles werde gut, wenn nur erst die Weißen nicht mehr wären. Simbabwes Durchschnittsverdienst liegt unter 100 Dollar, ohnehin sind über 80 Prozent der Simbabwer arbeitslos. Die EU hält an Sanktionen fest, Investoren bleiben fern. Die Einnahmen aus den Diamantfeldern verschwinden auf Konten der Nomenklatura, die Lebenserwartung der Bevölkerung ist um zehn Jahre gesunken, die gesamte Infrastruktur für den medizinischen und Bildungsbereich zusammengebrochen. Menschen sterben durch Choleraepidemien. Und inzwischen hat Simbabwe die höchste Staatsverschuldung der Welt.

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